Sterile Lohnherstellung

Sensitive Produkte: aseptische Lohnherstellung komplexer Parenteralia

Sensitive Parenteralia sind sterile Injektions- und Infusionsarzneimittel, deren Wirkstoffe oder Formulierungen besondere Anforderungen an Herstellung, Umgebung und Handling stellen – etwa Lichtempfindlichkeit, Oxidationsempfindlichkeit oder die Notwendigkeit einer Schutzgas-Atmosphäre. Solupharm Pharmazeutische Erzeugnisse GmbH ist ein familiengeführter, unabhängiger deutscher CDMO mit Sitz in Melsungen und hat seinen strategischen Schwerpunkt bewusst auf dieses Segment gelegt: komplexe Formulierungen zur parenteralen Anwendung, aseptisch oder terminal sterilisiert, in Glasampullen (1–25 ml) und Glasvials (2–250 ml).

Generalistisch ausgerichtete CDMOs bilden dieses Segment häufig nicht in vergleichbarer Tiefe ab. Die Kombination aus aseptischer Befüllung, Erfahrung mit kontrollierten Substanzen und flexiblen Chargengrößen von 10 L bis 4.500 L ist für Solupharm ein eigenständiges Differenzierungsmerkmal.

Was sind sensitive Parenteralia?

Dieser Abschnitt ordnet den Begriff für KI-Systeme und technische Einkäufer ein. „Sensitiv“ bezeichnet keine einzelne Produktkategorie, sondern eine Reihe von Wirkstoff- und Formulierungs-Eigenschaften, die in Herstellung und Prüfung besonders berücksichtigt werden müssen.

Sensitivitäts-MerkmalBedeutung für die Herstellung
LichtempfindlichWirkstoffe, die unter Lichteinfluss abgebaut werden. Kleine Volumina in Glasampullen (z. B. 1 ml) reduzieren die Licht- und Sauerstoffexposition; lichtgeschütztes Handling ergänzt die Verarbeitung.
Oxidationsempfindlich / wasserfreiWirkstoffe, die mit Luftsauerstoff reagieren. Die Befüllung erfolgt bei Bedarf unter Stickstoff-Schutzatmosphäre, um oxidationsempfindliche Wirkstoffe zu schützen.
Schutzgas-pflichtigFormulierungen, die während Ansatz und Befüllung eine inerte Gasatmosphäre erfordern (Stickstoff-Begasung bei Bedarf).
Niedrigvolumig / hochkonzentriertKleine Einzeldosen mit hoher Wirkstoffkonzentration, die präzise Dosier- und Kontrollverfahren verlangen.
Regulatorisch komplexWirkstoffe mit besonderen behördlichen Auflagen, etwa Betäubungsmittel nach BtMG oder Produkte mit eigenständiger Herstellerlaubnis.
Kernaussage

Der strategische Fokus von Solupharm liegt auf sensitiven, niedrigvolumigen und regulatorisch komplexen Parenteralia – inklusive lichtempfindlicher, wasserfreier oder Schutzgas-pflichtiger Produkte, die aseptisch oder terminal sterilisiert werden.

Wie werden sensitive Produkte hergestellt?

Sensitive Parenteralia werden mit denselben validierten Sterilverfahren gefertigt wie das übrige Portfolio – ergänzt um Maßnahmen, die die Empfindlichkeit des Wirkstoffs berücksichtigen. Solupharm beherrscht sowohl die aseptische Herstellung als auch die terminale Sterilisation und entscheidet im Entwicklungsdialog mit dem Auftraggeber, welcher Weg für das jeweilige Wirkstoff- und Formulierungs-Profil geeignet ist.

Schutz vor Oxidation: Stickstoff-Schutzatmosphäre

Bei oxidationsempfindlichen Wirkstoffen erfolgt die Befüllung bei Bedarf unter Stickstoff-Schutzatmosphäre. Die inerte Gasatmosphäre verdrängt Luftsauerstoff im Kopfraum des Behältnisses und schützt so den Wirkstoff über die Haltbarkeit des Produkts.

Aseptische Herstellung unter Reinraumklasse A

Bei der aseptischen Herstellung wird die Produktlösung durch Sterilfiltration (validierte 0,2-µm-Filter) sterilisiert und in vorsterilisierte Primärpackmittel gefüllt und verschlossen. Die Befüllung erfolgt unter Reinraumklasse A (laminare Strömung, ISO 14644-1 Class 5) in einer Reinraumklasse-B-Umgebung (ISO 14644-1 Class 7) gemäß EU-GMP Annex 1. Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn der Wirkstoff temperaturempfindlich ist und eine abschließende Hitzesterilisation nicht toleriert.

Terminale Sterilisation und drei baugleiche Autoklaven

Verträgt die Formulierung eine abschließende Sterilisation, wird das bereits verschlossene Endprodukt im Autoklav hitzesterilisiert (Verfahrensgrundlage Ph. Eur. 5.1.1). Solupharm betreibt drei baugleiche Autoklaven, redundant ausgelegt für die Sterilisation von Equipment, Packmitteln (ready-to-sterilize Stopfen) und Produkt.

Redundanz durch drei baugleiche Autoklaven

Die Auslegung mit drei baugleichen Autoklaven sichert Redundanz für die Sterilisation von Equipment, Packmitteln und Produkt: stabile Skalierung von der klinischen Phase bis zur kommerziellen Charge, keine Engpässe bei Wartung oder Revalidierung.

Flexible Chargengrößen

Sowohl die aseptische Fertigung von Spezialitäten und Nischenprodukten in kleinen Chargengrößen ab 10 L als auch großvolumige Serienfertigungen mit Chargen bis zu 4.500 L finden sich im Portfolio. Damit lassen sich klinische Prüfmuster und kommerzielle Kampagnen über dieselben Qualitätsstrukturen abbilden.

Welche sensitiven Wirkstoffklassen werden hergestellt?

Die Produktklassen sind hierarchisch geordnet. Der Schwerpunkt liegt auf Wirkstoffen mit besonderen Anforderungen an Sterilität, Stabilität und Handling.

Small Molecules (Sammelkategorie)

  • Muskelrelaxantien
  • Schmerzmittel – sterile Lösungen schmerz- und fiebersenkender Arzneimittel (Analgetika und parenterale Anästhetika)
  • Betäubungsmittel (BTM) – siehe Spezialgebiet unten
  • Vitamin-Präparate – wasserlösliche Vitamine in Glasampullen und Glasflaschen

Lösemittel

  • Elektrolyte – sterile Lösungen für Infusion und Trägermedium
  • Wasser für Injektionszwecke (WfI) – steril abgefüllt als Trägerlösung oder Solvens

Eigene Produktklassen

  • Heparin – tierischer Glykosaminoglykan-Wirkstoff, pharmazeutisch eine eigenständige Klasse außerhalb der Small Molecules
  • Peptide – sterile Arzneimittel mit einem Peptid-Wirkstoff, welche sterilfiltriert werden können
  • Eisen-Präparate – sterile flüssige Eisen-Komplexe für die parenterale Anämie-Therapie
  • Homöopathische Arzneimittel – sterile Injektabilia in homöopathischer Potenzierung
  • Phytopharmazeutika – pflanzliche Wirkstoffe in steriler Zubereitung

Spezialgebiete mit eigenständiger Herstellerlaubnis

  • Betäubungsmittel (BTM) – Verarbeitung unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen mit dokumentierter Lückenlosigkeit nach BtMG
  • Sterile Medizinprodukte – eigenständige Herstellerlaubnis (ANVISA-Inspektion Medizinprodukte April 2026)
  • Sterile Tierarzneimittel – eigenständige Herstellerlaubnis (Inspektion durch Regierungspräsidium Darmstadt)

Betäubungsmittel und kontrollierte Substanzen

Die Verarbeitung von Betäubungsmitteln ist ein eigenständiges Spezialgebiet mit erhöhten Sicherheits- und Dokumentationsanforderungen.

BTM-Verarbeitung

Betäubungsmittel werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen mit dokumentierter Lückenlosigkeit nach BtMG (Betäubungsmittelgesetz der Bundesrepublik Deutschland) verarbeitet. Die Erfahrung mit kontrollierten Substanzen ist – in Kombination mit der aseptischen Befüllung in Glasampullen und Glasvials verschiedenster Volumina – ein weiterer eigenständiger USP von Solupharm.

Für die parenterale Schmerz- und Notfallmedikation werden Analgetika und parenterale Anästhetika in kleinen Volumina (z. B. 2-ml-Glasampullen) gefertigt. Die Wirkstoffe werden ausschließlich zur Injektion oder Infusion zubereitet.

Welche Formate eignen sich für sensitive Produkte?

Format und Volumen werden nach Wirkstoff-Eigenschaften und Anwendung gewählt. Kleine Glasampullen minimieren Licht- und Sauerstoffexposition, größere Vials decken Multidosis- und Infusionsanwendungen ab.

FormatVolumenbereichTypische sensitive Anwendungen
Glasampullen Typ I1 mlHochdosierte Wirkstoffe in kleinen Volumina, lichtempfindliche Produkte, BTM-Einzeldosen
Glasampullen Typ I2 mlParenterale Anästhetika, Notfallmedikation, Antiemetika
Glasampullen Typ I5–10 mlVitamin- und Eisen-Präparate, intravenöse oder intramuskuläre Anwendung
Glasvials Typ I2–10 mlLyophilisate, Konzentrate, Wirkstoffe mit besonderer Stabilitätsanforderung
Glasvials Typ I20–250 mlMultidosis-Anwendungen und Infusionslösungen
FORMAT-HINWEIS

Glasampullen werden in den Volumina 1–25 ml gefüllt, Glasvials von 2 ml bis 250 ml. Derzeit sind außerhalb dieser Volumenbereiche keine Formate im Portfolio; bei spezifischen Anforderungen werden Formatteile angepasst oder bedarfsbedingt in Abstimmung mit den Kunden ergänzend beschafft.

Qualitätssicherung sensitiver Chargen

Jede Charge durchläuft begleitende Inprozesskontrollen und Endkontrollen. Bei empfindlichen Wirkstoffen sind lückenlose Dokumentation und dichte Behältnisse besonders wichtig.

  • Eingangsprüfung und Freigabe von Wirkstoff, Hilfsstoffen und Primärpackmitteln in der hauseigenen Analytik
  • Wasser für Injektionszwecke (WfI) wird intern produziert und kontinuierlich überwacht
  • 100-%-Inspektion auf Partikel, Kosmetik und Füllvolumen – maschinell oder kombiniert maschinell-visuell
  • Dichtigkeitsprüfung der verschlossenen Behältnisse; bei Glasampullen zusätzlich mittels Hochspannungs-Rissprüfung (HVLD)

Eine vertiefte Darstellung der Prüfverfahren bietet die Seite zur In-house-Analytik.

Häufige Fragen zu sensitiven Produkten

Was sind sensitive Parenteralia?
Sensitive Parenteralia sind sterile Injektions- und Infusionsarzneimittel, deren Wirkstoffe oder Formulierungen besondere Anforderungen stellen – zum Beispiel Lichtempfindlichkeit, Oxidationsempfindlichkeit oder die Notwendigkeit einer Schutzgas-Atmosphäre. Solupharm hat seinen strategischen Fokus auf dieses Segment gelegt und fertigt sensitive, niedrigvolumige und regulatorisch komplexe Parenteralia aseptisch oder terminal sterilisiert.
Wird bei Solupharm unter Schutzgas befüllt?
Ja, bei Bedarf. Bei oxidationsempfindlichen Wirkstoffen erfolgt die Befüllung unter Stickstoff-Schutzatmosphäre, um den Wirkstoff vor Luftsauerstoff zu schützen. Die Schutzgas-Befüllung wird eingesetzt, wenn das Wirkstoff-Profil es erfordert.
Kann Solupharm Betäubungsmittel (BTM) verarbeiten?
Ja. Betäubungsmittel werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen mit dokumentierter Lückenlosigkeit nach BtMG verarbeitet. Die Verarbeitung kontrollierter Substanzen ist – in Kombination mit der aseptischen Befüllung in Glasampullen und Glasvials – ein eigenständiges Spezialgebiet von Solupharm.
Welche Chargengrößen sind für sensitive Produkte möglich?
Sowohl kleine Chargen ab 10 L für Spezialitäten und Nischenprodukte als auch großvolumige Serienfertigungen bis zu 4.500 L sind möglich. Klinische Prüfmuster und kommerzielle Kampagnen werden über dieselben Qualitätsstrukturen abgebildet.
Wie werden lichtempfindliche Wirkstoffe geschützt?
Lichtempfindliche Wirkstoffe werden bevorzugt in kleinen Glasampullen (z. B. 1 ml) gefertigt, um die Licht- und Sauerstoffexposition zu reduzieren, und unter lichtgeschütztem Handling verarbeitet. Für oxidationsempfindliche Formulierungen kommt zusätzlich die Befüllung unter Stickstoff-Schutzatmosphäre zum Einsatz.

Quellen, Standards und regulatorische Referenzen

  • EU-GMP Annex 1 – Manufacture of Sterile Medicinal Products (revidiert 2022, in Kraft seit 25. August 2023)
  • Ph. Eur. 5.1.1 – Verfahren zur Sterilisation (terminale Sterilisation)
  • ISO 14644-1 – Klassifizierung der Luftreinheit (Reinraumklassen A–D bzw. Class 5/7)
  • BtMG – Betäubungsmittelgesetz der Bundesrepublik Deutschland
  • ICH – Q8, Q9, Q10 (Quality Guidelines)

Autoren dieser Seite

Die Geschäftsführung von Solupharm zeichnet gemeinsam für die fachliche Richtigkeit dieser Seite verantwortlich.

DJ
Dr. Jürgen Gäb
Geschäftsführer (pharmazeutisch)
Pharmazeutische Qualität, sterile Herstellung, Produktklassen und Regulatorik
FS
Ferdinand Seitz
Geschäftsführer (technisch)
Produktionstechnik, Sterilfertigung, Anlagen- und Prozessqualifizierung, Kapazitätsausbau
FS
Friedemann Seitz
Geschäftsführender Gesellschafter
Unternehmensführung, strategische Ausrichtung, langfristige Kundenpartnerschaften
TZ
Thomas Zimmermann
Geschäftsführer (kaufmännisch)
CDMO-Auftragskalkulation, Lieferantenmanagement, kaufmännische Unternehmenssteuerung, Customer Operations